Ugly Girl

Es gibt diese Momente in denen einem die Hässlichkeit  mancher Menschen so sehr ins Auge springt dass man schon von Ekel sprechen kann. Als ich heute am Rathausplatz saß erlebte ich diesen Moment.

 

Seit einigen Monaten trifft sich Rande des Platzes eine Szene die man wohl irgendwo zwischen Punkszene und gehobene Obdachlosenszene bezeichnen kann. Zu dieser Gruppe gehören mehrheitlich Männer um die 20  und Mädchen um die 16. Es wird Alkohol getrunken, Musik gehört, geredet bzw gelallt. Kurz gesagt die Zeit wird totgeschlagen, mit mehr oder weniger Erfolg. Wenn Alkohol und Trostlosigkeit sich treffen ist die Theatralik meistens nicht weit, und jede Theatralik grenzt ein wenig an Lächerlichkeit, die eine mehr die andere weniger. An diesem Tag herrschte Unruhe in der Gruppe.

 

Die Männer (ich nenne sie Männer nur in Bezug auf ihr Alter) schrieen sich an und teilten sich auf in eine Handvoll die auf einen dürren, heruntergekommenen Inder losgehen wollte und eine andere Handvoll die, die Wütenden zurückhielt. Zu letzterer Gruppe gehörten auch die Mädchen, die, ganz Mutter Courage, die aggressiven mit weit ausgebreiteten Armen daran hinderten dem Inder etwas anzutun. Der Inder ( Ich nenne ihn Inder, vielleicht kam er auch aus Pakistan oder Bangladesh)  schien ein wenig verwirrt, seine Reaktion auf die Typen die ihn schlagen wollten war unkonventionell. Wenn ein Angreifer, trotz  wortreicher weiblicher Schlichtungsversuche ihm nahe kam, zog er einen Schuh aus, nahm ihn in eine Hand und hob ihn drohen und wurfbereit über den Kopf. Es war aber weniger diese Taktik die ihn vor Schlägen bewahrte sondern die Tatsache dass die vermeintlichen Schläger sich bereitwillig  von den Mädchen und Kumpanen beruhigen ließen und wohl der Meinung waren dass sie, auch ohne Gewalt, ihre Männlichkeit genug zur Schau gestellt hatten. Diese Männlichkeit unterstrichen sich publikumswirksam  indem sie sie Arme pathetisch ausbreiteten und auf ihre Brust deuteten und betont breitbeinig Drohungen in Richtung Inder riefen. Der Inder für seinen Teil hatte sich inzwischen auf einer Bank ein  Dutzend Meter von der  aufgebrachten Masse gesetzt und schnürte sich die Schuhe regelmäßig auf und wieder zu.

 

Nach ein paar Minuten löste sich ein besonders hübsches und schlankes, leicht punkiges Mädchen aus der Gruppe, setzte sich neben den schweigenden Inder und sprach auf ihn ein. Ich schätzte sie so ein dass sie die Mutter der Kompanie mimen wollte, die, über den Streit und den Streitenden stehend, zwischen den Männern Frieden  stiftet. Sie redete auf den Inder ein wie auf ein  unfolgsames, nicht sehr kluges Kind das einen Fehler gemacht hat, dem man aber vergibt wenn es sich vernünftig verhält. Sie holte sogar eine Schachtel Mohrenköpfe hervor und zeigte sie dem Inder, der allerdings wenig Interesse an Mohrenköpfen zeigte und auch sonst verschlossen war. Dann rief sie einen der Hauptaggressoren, einen bärtigen Südländer mit blauer Schirmmütze und Bierbauch, zu sich her. Der kam auf die beiden zu, was den Inder veranlasste seinen rechten Schuh auszuziehen und in die Hand zu nehmen.

 

Ich dachte zuerst sie würde die beiden versuchen zu versöhnen und war schon fast ein wenig gerührt, dann hörte ich sie aber reden. Sie hielt dem Südländer einen Mohrenkopf hin und schlug ihm vor er solle dem Inder diesen ins Gesicht drücken, damit würde er ihn auch ärgern ohne rabiat werden zu müssen. Der Vorschlag kam dem Südländer sehr entgegen(Feige Menschen verhöhnen lieber statt zu schlagen, außer wenn das Opfer sehr viel schwächer ist. Der Inder hatte davon allerdings Wind bekommen, und sprang auf, das enttäuschte das schöne hässliche Mädchen allerdings, denn sie hatte hinter dem Rücken des Inders einen zerquetschen Mohrenkopf deponiert auf den er sich, falls er sich zurücklehnen würde, setzen könnte. Am Ende blieb der Inder in sicherem Abstand mit Schuh in der Hand stehen und das Mädchen und der Südländer aßen ihre Mohrenköpfe.

 

 

1 Kommentar 23.8.06 22:09, kommentieren

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TangoParis

18.8.06 06:10, kommentieren

Gedicht I

 

 

Das ist das erste Gedicht in einer losen Folge von Lyrik- Kurt Tucholsky

Einmal müssen zwei auseinander gehen;
einmal will einer den andern nicht verstehen -
einmal gabelt sich jeder Weg - und jeder geht allein -
wer ist Schuld?

Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit.
Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit.
Jedes trägt den andern mit sich herum -
etwas bleibt immer zurück.

Einmal hat es euch zusammengespült,
ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen, und dann
erkühlt -
Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab -:
ein neuer Mensch.

Jeder geht seinem kleinen Schicksal zu.
Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du.
Jeder sucht seine Zukunft. Und geht nun mit stockendem Fuß,
vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und ohne Gruß
in ein fernes Land.

21.8.06 15:02, kommentieren

" Es gibt nur wenige Dinge die so langweilig sind wie makellos schöne Frauen "

22.8.06 14:37, kommentieren